
Vorletzte Woche musste ich knapp eine Woche geschäftlich ins Münsterland fahren, da habe ich die Chance genutzt mir für diesen Zeitraum einen Toyota Prius zu leihen. Falls jetzt irgendwo Fragezeichen aufkommen, der Prius ist das erste, ernste Hybrid-Elektro-Auto, dass erfolgreich vermarktet wurde. Oder wie Sebastian (anderer) mal sagte: “In der Bay Area stehen an jeder Ampel zwei Stück neben dir.” Und da ich so ein early adopter bin…
Als guter Jung-Schwabe (Was macht eigentlich mein Aufnahmetest?) habe ich bei dem Wochenmietpreis natürlich das Maximum an Tagen genommen, also 7 statt 5. Hoffentlich liest das hier nicht meine Geschäftsleitung, denn ich bin in der Zeit auch zweimal privat mit dem Wagen gefahren, upps. Aber zurück zum Prius, folgendes hat mich erstmal sehr begeistert, Toyota halt:
- die Steuerung des Bordcomputers erfolgt per Vollgrafikdisplay, das Display ist eh das Majorgadget schlechthin
- das Navigationssystem: Europa ist komplett rein-/rauszoombar ohne Zeitverzögerung verfügbar (Wo hat ein solches Auto eigentlich seinen Speicher, eine Navigations-DVD gab es nämlich nicht?)
- automatische Einparkhilfe: du parkst zwar 100-mal schnell per Hand ein, aber allein für die automatischen Lenkradbewegungen und die Fertigansage lohnt sich die Zeit (manchmal)
- die Rückfahrkamara, spy-your-neighbour
- Bluetooth Freisprechanlage
- die englische Stimme des Bordcomputer, sehr angenehmes Oxford-Englisch
- die Energie-Anzeige, blinke Batterien, drehende Reifen, Energiepfeile, ein Schauspiel für alle Sinne
- aber viel wichtiger, die EV-Taste
Ich nehm es mal direkt vorweg, sorry Sebastian (anderer), sofern ich der Wikipedia glauben darf, dann gibt es bei euch die EV-Taste nicht. EV steht für electronic vehicle und bedeutet, wie der Name schon sagt: Auto fährt nur mit Strom. Laut Handbuch bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h, praktisch sind es aber sogar bis zu 49. Das Handbuch sagt dazu, dass in diesem Modus bei voller Batterie eine Reichweite von knapp über 2 km erreicht wird. Weiter liesst man dort sinngemäß, bitte aktivieren Sie diesen Modus, wenn Sie nachts in ein Wohngebiet fahren. Sehr rücksichtsvoll! Der Modus eignet sich übrigens hervorragend um Fußgänger zu erschrecken, denn so ein Elektroauto ist wirklich nicht hörbar, was man beim Einparken sehr schön hören kann.
Jetzt zu der Ökofrage: Ist es jetzt ein Ökoauto, oder nicht? Ich sage mal nach heutigem Stand der Technik/Konkurrenz ja, denn mit 45l Super bin ich etwa 750 Kilometer weitgekommen, also ein Verbrauch von etwa 6l. Zum einen ist es ein ausgewachsenes Mittelklasse Auto, und ich muss zugeben, dass ich recht zügig gefahren, bei den Highway Speed Limits, wird er seinen Sollwert von 5,5l sicherlich erreichen. Und das bringt mich zu einem anderen Punkt, nämlich warum er in Europa kein Erfolg werden wird. Er fährt sich recht behäbig, nicht lahm, aber das Fahrverhalten passt wirklich mehr zu einem Highway, auf den man fährt und mitschwimmt. Wir Europäer müssen ja immer andauernd links rausziehen und dann voll draufdrücken, um mal wieder irgendwas zu überholen (sehr ökologisch übrigens). Und von der Form her gewinnt er hier auch keinen Blumentopf. Anders gefragt, wer fährt in Europa schon einen VW Jetta? Der Amerikaner schon lieber. Also, liebe Toyota Designer, zurück ans Zeichenbrett.
Mein Fazit nach einer Woche Prius, durchaus beeindruckend, was mit ein bisschen Technik so rausgezuholt werden kann. Und ich glaube auch nicht, dass im normalen Verkehr die Batterie überlastbar ist, denn dieses Argument wird sicherlich bald in den Kommentaren zu finden sein. Und wer auf Technik steht, der ist im Prius sehr gut aufgehoben.
Der Preis ist noch interessant, denn in Europa kostet er 24.900 EUR, dagegen in Nordamerika sind es nur 20,950 $ (MSRP), jeweils die kleinste Version betrachtet. Noch den Dollarkurs dazugerechnet, dann merkt man recht schnell, da liegt ganz schön was zwischen.
Abschließend noch ein Bild bei dem mein Ökoherz höherschlägt: Prius zwischen Bäumen (aus meinem Dachfenster)

7 comments ↓
Also 6l/100km find ich ja jetzt nicht mehr so “öko”, insbesondere nachdem der Lupo da vor Jahren ja schon etwas mehr… äh… weniger geschafft hat. Übrigens hat Resteuropa de jure ja auch eher Einheitsgeschwindigkeits-Highways (de facto fahren die Leute trotzdem wie sie wollen). Aber ich bin dem immer noch nicht zugeneigter als früher. Aus ökologischer Sicht und zur Stauvermeidung vielleicht ganz in Ordnung, aber bei den eintönigen 120 durch Holland und Belgien schlafe ich jedesmal fast ein…
vielen Dank für den Test, Sebastian (anderer)!
Eine Frage habe ich noch: Wie war denn der Blick nach hinten? Das Rückfenster sieht von außen ja doch ziemlich klein aus…
Und zum Formfaktor: Findest Du wirklich, dass er wie ein Jetta aussieht? Die Form ist doch eigentlich recht ungewöhnlich. Zumindest in den USA, hier sieht man ja so gut wie nie einen Kombi (Hatchback).
Und zum Tempolimit: Ich finde das inzwischen sogar ganz angenehm, man muss nicht permanent aufpassen, ob von hinten gerade jemand mit 200 km/h angerauscht kommt.
Nein, so habe ich das auch nie behauptet, dass die Batterie im normalen Verkehr überlastet werden kann. Nur dass dort eben gewissen Mechanismen fehlen.
Deinen Verbrauch finde ich ebenfalls recht hoch. Nimm den akutellen 318er, der braucht 5,9l / 100km und man hat auch gleich deutlich mehr Fahrspaß bei 105kW. Und wenn der Elektromotor 2km durchhält, dann hat man ja recht schnell (auf der Autobahn) beim Prius nur noch die 57kW vom Verbrennungsmotor zur Verfügung.
Und wie Stellen sich die Japaner das mit der Zuladung vor? Maximal 325kg. Also 4 Personen á 81kg oder 5 Personen á 65kg und man darf schon kein Gepäck mehr mitnehmen, um das Auto nicht zu überladen.
Und dass er so günstig ist liegt wohl daran, dass am Motor, Fahrwerk, Sitzen - überall sehr gespart worden ist. Vom Cockpit will ich mal gar nicht reden!
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@Sebastian
Der Heckblick ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht allzu dramatisch: die Heckscheibe ist durchbrochen, der untere Teil ist getönt, der obere normal vom Glas her. Dieser Bruch ist halt etwas merkwürdig.
Was das Tempo angeht stimme ich dir zu, auch die Deutschen sollten langsam das Privileg aufgeben Dauerraser zu sein. Man mag die USA mögen oder nicht, dort Auto zu fahren ist einfach entspannter.
@Christian
Nur zum Spritverbrauch, 6l ist der reale Verbrauch gewesen. Meiner Erfahrung nach, insbesondere bei meinem Smart, gibt es bei deutschen Autos einen riesigen Unterschied zwischen der Angabe im Hochglanzprospekt und der auf meinem Taschenrechner nach dem Tanken. :)
[...] Wochen werde ich noch einen ausführlicheren Testbericht verfassen, solange verweise ich auf den Prius-Bericht meines namensgleichen Bloggers. Im Vergleich zu Sebbs Mietwagen fehlen mir das Navigationssystem (ich hoffe da auf das [...]
Bin den prius selbst mal gefahren und war auch restlos begeistert. Inwiefern das mit der Ökostatistik so alles hinkommt kann ich nciht beurteilen, so oder so, macht das Auto aber einfach Spaß und bei meinem nächsten Kauf werde ich mich definitiv auch bei den Japanern umschauen!
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